Community Engagement for better outcomes – Eine interne Fortbildung mit Paul Born

Am 7. Mai war Paul Born, kanadischer Collective-Impact-Praktiker, zu Besuch bei der Bertelsmann Stiftung und richtete eine interne Fortbildung aus. Die 17 Teilnehmenden bekamen Einblicke in die Arbeit seines Instituts, diskutierten seinen Ansatz und überlegten, wie dieser auf die Stiftung übertragbar ist.

Paul Born arbeitet viel mit Bildern und Geschichten. Gleich zur Eröffnung bemüht er den berühmten Lehrsatz: „Gib einem Menschen einen Fisch und er wird einen Tag satt sein, bringe ihm das Fischen bei und er wird sein Leben lang satt sein.“ Was erst wenig innovativ klingt, entfaltet seine Wirkung durch das, was Paul anschließt: Was ist, wenn der Teich so verschmutzt ist, dass die Fische krank machen, oder wenn alle Fische schon weggefischt sind – wenn das System also das Fischen nicht zulässt? Er erklärt, was hinter seiner Arbeit steht; nämlich die Frage, ob unser gesellschaftliches System alle auffangen kann. Das sicher zu stellen ist für ihn nicht Aufgabe alleinig des Staates, sondern auch der Zivilgesellschaft.

Was diese alles bewirken kann, beweist die erfolgreiche Arbeit des Tamarack Institutes und der Vibrant Communities-Bewegung, die Paul jeweils mitbegründet hat. In die Fortbildung hat er drei Beispiele aus seiner Arbeit mit ihnen mitgebracht, die er während des Vormittags ausführlich vorstellt: ein Projekt, um die überproportional hohe Anzahl der Inobhutnahmen von Aborigine-Kindern zu verringern; eines, das die Auswirkungen von Krebs eindämmen möchte; und eines, das zur regionalen Armutsreduktion beitragen möchte.

Wie eine Jakobsmuschel

So unterschiedlich die Projekte sind, die gemeinsame Arbeit beruht auf gewissen Mustern. Der erste Schritt ist, alle beteiligten Menschen zusammenzubringen. Dies geschieht in verschiedenen Formaten, häufig sind es runde Tische. Wichtig ist dabei, ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen Vertretern der Regierung, aus der Wirtschaft, von NGOs und Menschen, die persönliche Erfahrungen mit dem behandelten Thema mitbringen (in den Beispielen etwa in Obhut genommene Kinder und deren Eltern, Krebspatienten oder von Armut Betroffene). Die Teilnehmenden werden nicht zufällig ausgewählt, sondern nach einem aufwendigen Verfahren gesucht. Leitfragen dabei sind beispielsweise: Welches sind die 100 Leute, die zusammenkommen müssten, um wirklich etwas zu ändern? Welche Menschen eigenen sich aufgrund ihrer Beziehungen und ihrer Position, vor allem aber aufgrund ihrer persönlichen Integrität besonders gut als Botschafter und Multiplikatoren für das Projekt? Durch ihre Erfahrungen werden die Betroffenen zum wichtigsten Faktor der Verständigung.

In diesem Kontext bringt Paul ein weiteres Bild ein: Die Jakobsmuschel hat 32 Augen in alle Richtungen, die sie vor Gefahren warnt, sodass sie sich zum Schutz zusammenklappen kann. Wenn ein Auge fehlt, ist die ganze Muschel weniger geschützt. Ähnlich seien gesellschaftliche Projekte; wenn eine Perspektive fehlt, ist die ganze Gemeinschaft schlechter gestellt. Dieses Bild verdeutlicht sehr gut die Besonderheit des vorgestellten Ansatzes, denn zentral für diesen ist, dass alle gemeinsam wirken.

Vom Zusammentreffen zur Wirkung

Bei den beschriebenen Treffen werden immer die gleichen Fragen gestellt, zu denen alle unabhängig von ihrem Hintergrund etwas sagen können: Warum ist es wichtig, dass du hier bist? Welche Veränderung wollen wir alle sehen? Was können wir gemeinsam tun? In manchen Projekten hat sich alleine während der Zeit der Gesprächsrunden schon etwas getan, so ging etwa die Zahl der in Obhut genommenen Aborigine-Kinder schon in der ersten Projektphase spürbar zurück. Nach den Gründen gefragt, berichtet Paul: das Vertrauen und die Achtsamkeit waren gestiegen.

An die Gesprächsrunden schließt in den Initiativen jeweils die Arbeit der ‚listening teams‘ und der ‚action teams‘ an. Erstere befragen eine große Anzahl an Stakeholdern und schaffen eine Datenbasis, mit der weitergearbeitet werden kann. Letztere erproben ganz konkrete Projekte zur Erreichung des gemeinsamen Ziels. Im Falle der Krebsinitiative gab es beispielsweise nach einer einjährigen Entwicklungsphase eine Kampagne zur Früherkennung durch niedrigschwellige Screeningangebote, um die Heilungschancen Erkrankter zu erhöhen. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass durch belastetes Leitungswasser erhöhte Blutkrebserkrankungen hervorgerufen wurden. Hier holte das Projekt die Vereinigung der Brunnenbohrfirmen ins Boot, die sich bereiterklärte alle vorhandenen und neuen Quellen zu prüfen und zu reinigen, sodass Neuerkrankungen reduziert werden konnten.

Von Kanada nach Gütersloh

Während Paul die Projekte beschreibt, gibt es immer wieder Nachfragen und es entstehen lebendige Diskussionen zwischen den Teilnehmenden. Insgesamt wird der Ansatz als sehr stimmig empfunden. Im letzten Teil der Fortbildung überlegen die Teilnehmenden, ob und wie diese Arbeitsweise in die Stiftungswelt übertragbar wäre. In der kurzen Zeit findet sich natürlich keine Antwort – aber während Paul zum Gespräch mit Brigitte Mohn und zur offenen Fortbildung nach Berlin fährt, nehmen die Teilnehmenden sicher mindestens ein Bild, eine Geschichte oder einen Denkanstoß mit in die Stiftung zurück.



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