Studienreise: Impulse für die Integrierte Kinder- und Jugendhilfeplanung Leipzig

Junge Menschen sind durch die an sie herangetragenen gesellschaftlichen Erwartungen mehr als bisher in ihrer individuellen Verantwortung für soziale und berufliche Entwicklung und eine Weichenstellung über Bildungsabschlüsse sowie kulturelle Teilhabe gefordert. Qualifikation, Verselbständigung und Selbstpositionierung/Identitätsentwicklung sind damit Kernherausforderungen von Kindheit und Jugend. Kinder- und Jugendhilfe hat die Aufgabe, durch ihr Tätigwerden sowie ihre Dienstleistungen und Hilfen junge Menschen und ihre Familien in ihren Fähigkeiten zu stärken, ihr Leben selbst zu gestalten sowie Kindheit und Jugend zu ermöglichen. Verbunden mit dem veränderten Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen haben sich auch die Anforderungen an eine zukunftsweisende und nachhaltige Jugendhilfeplanung und deren Ausrichtung geändert. Herausforderungen, wie die demografische Entwicklung, eine stärkere Heterogenität der Stadtgesellschaft und Fachthemen wie Inklusion, Ganztagsangebote oder Übergänge erfordern eine Überprüfung der bisherigen Ziele und Arbeitsweisen.

Die Stadt Leipzig arbeitet daher aktuell an einer Integrierten Kinder- und Jugendhilfeplanung, welche die bisherigen Teilfachplanungen für die Erziehungs- und Familienberatung, für Hilfen zur Erziehung“ sowie zur Kinder- und Jugendförderung in ein strategisch ausgerichtetes Planungs- und Steuerungsinstrument überführt. Dieses soll der Politik, Freien Trägern und der Verwaltung Planungssicherheit und Orientierung für die zukünftige inhaltliche und sozialräumliche Ausrichtung von Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe geben.

Bereits seit 2012 trägt eine stärkere Orientierung auf Planungsräume in Leipzig dazu bei, die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie andere städtische Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Familien besser aufeinander zu beziehen und die Verantwortung der Freien Träger in diesen Räumen zu erhöhen. Ziel einer konsequenteren Sozialraumorientierung war es, die Angebote und Maßnahmen deutlicher an den Bedarfen von Kindern und Jugendlichen bzw. jungen Familien auszurichten und somit Leistungen zeitgemäß weiter zu entwickeln bzw. anzupassen. Dieser Prozess soll nun über eine Integrierte Kinder- und Jugendhilfeplanung fortgeführt und weiter qualifiziert werden. Handlungsschwerpunkte der verschiedenen Leistungsbereiche der Kinder- und Jugendhilfe in Leipzig sollen besser aufeinander abgestimmt und mit dem Fokus auf:

  • zentrale Herausforderungen an die Kinder- und Jugendhilfe in Leipzig,
  • die Identifizierung und Entwicklung von Schwerpunkträumen der Kinder- und Jugendhilfe und
  • Schnittstellen und Synergien zwischen den einzelnen Leistungsbereichen der Kinder- und Jugendhilfe gebündelt werden.

Vor diesem Hintergrund war ich begeistert von der Gelegenheit, am Webinar mit Prof. Hinte sowie an der Studienreise nach Graz zur Sozialraumorientierung teilnehmen zu können. Darüber hinaus war es möglich, den bereits seit vielen Jahren zwischen der Bertelsmann Stiftung und der Stadt Leipzig bestehenden Kontakt lebendig zu halten. In Graz bestand in drei sehr gut geplanten und intensiven Tagen Zeit, das Konzept der Sozialraumorientierung der Stadt Graz, Arbeitsbereiche des Amtes für Jugend und Familie der Stadt Graz und handelnde Akteure kennenzulernen.

Besonders beeindruckt haben mich in Graz:

  • die gemeinsame Haltung zur Sozialraumorientierung, die sowohl durch die Verwaltung als auch Freien Trägern getragen wird und in gemeinsamer Implementierung und Prozessgestaltung mündete,
  • die Methodik der Selbstaktivierung als zentrales Element und Faktor für Nachhaltigkeit von Hilfen, d. h. der Ansatz, dass jede Klientin/jeder Klient fähig ist, mit ihren/seinen persönlichen, materiellen, sozialen bzw. sozialräumlichen Ressourcen ihr/sein Leben selbstbestimmt zu führen,
  • die flexible, kurzfristige Hilfegewährung durch multiprofessionelle Teams und deren Steuerung durch ein Tandem bestehend aus Verwaltung und Trägerverbund und
  • die Einhaltung des Budget für die Sozialraumarbeit seit Beginn der Einführung des Konzeptes der Sozialraumorientierung 2008.

Jedoch sind auch Fragen offen geblieben, so z. B. Sind durch die Vorgabe eines Budgets für die Sozialräume tatsächlich alle notwendigen Hilfen leistbar und nachhaltig?, Welche Synergien bewirkt die Sozialraumorientierung zwischen den Leistungsbereichen  tatsächlich? und Wie kann es gelingen, Angebote der Kinder- und Jugendförderung als präventive fallunspezifische Leistungen stärker in das Konzept der Sozialraumorientierung einzubinden?

Zurück von Graz in Leipzig fließen die Eindrücke und Impulse in den weiteren Arbeitsprozess zur Integrierten Kinder- und Jugendhilfeplanung in Leipzig ein. Vielen Dank für die Gastfreundschaft der Stadt Graz sowie die Organisation und Begleitung dieser aufschlussreichen Studienreise durch die Bertelsmann Stiftung!



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