Von Graz lernen – Studienreise zur Sozialraumorientierung

Mit 14 Vertretern aus deutschen Kommunalverwaltungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen reisten wir jetzt drei Tage in die Stadt Graz, um vor Ort zu erfahren, wie die Stadt das Konzept der Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe umsetzt.

Grundprinzipien des Konzepts sind u.a., dass Kinder und Jugendliche ressourcen- und willensorientiert in ihrer Lebenswelt unterstützt und nicht als „Fälle“ behandelt werden und dass Vertreter von freien Trägern und der Kommunalverwaltung auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Klingt schlüssig, aber ist das auch in der kommunalen Praxis so einfach umsetzbar? Erfordert das Konzept doch ein systematisches Umdenken im herkömmlichen Verwaltungsdenken.

Die Stadt Graz setzt das Konzept der Sozialraumorientierung seit 2004 Schritt für Schritt für das Feld der Kinder- und Jugendhilfe um und wird dabei seit Beginn an von Prof. Dr. Wolfgang Hinte, einem renommierten Experten für Sozialraumorientierung der Universität Duisburg-Essen, unterstützt (s. Blog-Beitrag zum Webinar vom 11.9.2017).

In vielen Gesprächen und Vor-Ort-Besuchen in den vier Sozialräumen der Stadt erhielten wir ein facettenreiches Bild über den Umsetzungsprozess. Die Referenten, u.a. die Controllerin des Jugendamts, ein Führungs-Duo (regionaler Jugendamtsleiter + Sozialraumkoordinator seites des Trägerverbundes), die Abteilungsvorständin (Jugendamtsleiterin), der Magistratsdirektor und der zuständige Stadtrat illustrierten anschaulich, was gut gelaufen war, hielten aber auch nicht mit jenen Punkten hinterm Berg, die schief gingen.

Zentrale Learnings der Verwaltungsvertreter in Graz waren, u.a. dass die Haltung der Verantwortlichen aus Verwaltung und freien Trägern zum Vorhaben entscheidend ist und dass so ein Prozess bei allem Gegenwind und Rückschlägen Zeit benötigt – diese Zeit zum Ausprobieren und Ausjustieren gilt es auch Seitens der kommunalen Politik zu ermöglichen. Für die freien Träger änderte sich mit der Einführung des Konzepts vor allem zweierlei: Untereinander agieren sie im jeweiligen Sozialraum nun in sogenannten Trägerverbünden, gegenüber der Verwaltung haben sie in Entscheidungsprozessen an Augenhöhe gewonnen.

Die Teilnehmer der Studienreise werden ihre Erfahrungen im Nachgang dokumentieren – und u.a. darstellen, was sie aus den Gesprächen für ihre eigene Arbeit mitnehmen konnten und welche konkreten Impulse sie in ihren jeweiligen Organisationsalltag integrieren möchten. Mehr bald dazu in diesem Blog!

 



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