Collective Impact Forum Boston 2017

Zu Gast beim Collective Impact Forum in Boston

Vom 23. bis 25. Mai fand in Boston jetzt zum erneuten Mal das Collective Impact Forum statt – und ich durfte teilnehmen. Collective Impact gilt vor allem dann als Chance, wo herkömmliche Kooperationsformen zu kurz greifen oder nicht ausreichend sind. Der Collective Impact Ansatz liefert einen Rahmen, wie sektorübergreifende Zusammenarbeit gelingt. Dabei ist die Annahme zentral, dass alle Akteure (aus den Sektoren Staat, Markt und Zivilgesellschaft) von Anfang an zu gleichen Teilen die Kooperationsbeziehung mitgestalten (z.B. beim Festlegen des Ziels und der Agenda) und sich über die Form der Wirkungsmessung einig werden (wann gilt das Ziel als erreicht?).

Das Collective Impact Forum ist ein Treffpunkt für all jene, die mit dem Ansatz in der Praxis arbeiten. Dass die Veranstaltung in den USA stattfindet, ist dabei kein Zufall: Die USA ist so eine Art Wiege für Collective Impact. So haben John Kania und Marc Kramer zwar erst im Jahr 2011 erstmals über den Ansatz publiziert (s. ihren Artikel „Collective Impact“ im Stanford Social Innovation Review), die Entwicklung des Ansatzes basierte jedoch gerade auf der Analyse bereits bestehender sektorübergreifender Initiativen (mit Blick auf die USA) unter der Leitfrage, welche Kriterien konkret zum Erfolg der Initiativen geführt haben.

In diesem Jahr waren über 500 Teilnehmer nach Boston gekommen, darunter Backbones, Förderer, Vertreter aus Kommunen/Ministerien und Steuerungsgruppen sowie Community-Partner. Ich gehörte zu der 21-köpfigen europäischen Delegation, die von FSG ermutigt worden war, an der Veranstaltung teilzunehmen. Unser Ziel war es, die Veranstaltung als Rahmen zu nutzen, um US-amerikanische CI-Initiativen kennenzulernen und einmal gemeinsam zu diskutieren, inwiefern der Collective-Impact Ansatz bereits auf europäischer Ebene Anwendung findet bzw. welche Herausforderungen mit dem Ansatz speziell in Europa verbunden sind.

Hier konnten vor allem meine Kollegen aus Frankreich und Dänemark Anregungen geben, da in beiden Ländern bereits einige Erfahrungen mit Collective-Impact-Initiativen vorliegen. Tenor unserer Diskussion war, dass Collective Impact auch für Europa ein sehr vielversprechender Ansatz sein kann in Zeiten aktueller Herausforderungen wie komplexe Problemlagen (s. Auswirkungen des demografischen Wandels oder sozialer Ungleichheit), und klamme öffentliche Kassen. Gleichsam ist jedoch auch klar, dass die Bedingungen in Europa anders sind als in den USA, z.B. dürfte es für europäische Kommunen überwiegend noch neu sein, sich in einer sektorübergreifenden Kooperation als Partner unter gleichen wahrzunehmen. Eine weitere Frage für den europäischen Kontext ist, wie akzeptiert Unternehmen als Kooperationspartner auf Augenhöhe bei der Lösung von sozialen Problemen wie Kinderarmut oder häuslicher Gewalt sind.

Das Collective Impact Forum zeigte viele inspirierende Beispiele von erfolgreichen Initiativen auf, machte gleichzeitig aber auch deutlich, dass eine sektorübergreifende Kooperation nicht ohne Herausforderungen abläuft (z.B. Abstimmung von Zielen und Aufgabenverteilung, Akquise von Ressourcen, Aufbau eines Messinstrumentariums). Dabei benötigen Collective Impact Initiativen ausreichend Zeit, sich zu entwickeln: zehn Jahre anzusetzen, ist realistischer als zwei Jahre.

Insgesamt war es sehr schön zu sehen, wie sich die Teilnehmer des Forums gegenseitig mit Rat und Vorlagen unterstützten.

Für den europäischen Kontext gilt es nun erst einmal zu eruieren, in welchen Staaten und zu welchen Themen es bereits Collective-Impact-Initiativen gibt und welche Spezifika der europäische Kontext birgt. So war es einhellige Meinung unter den Teilnehmern aus der EU, das Thema Collective Impact in Europa weiterzuverfolgen.



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